Doch auch heute noch verbinden sich mit der Quantenmechanik zahlreiche Probleme, sowohl grundsätzliche wie praktische:
Im ersten Viertel (§1 bis §5) der vorliegenden Diplomarbeit werden diese Fragen erläutert, an Beispielen demonstriert und &emdash; nein, nicht gelöst; zumindest nicht uneingeschränkt. Dennoch bin ich stolz auf diesen Teil, genauer: auf das ausführliche Gegenbeispiel in §5.4; zeigt es doch, daß die Punkte d) und e) von einander unabhängig sind: Für jede Anordnung der Operatoren unterscheidet sich die Quantisierung des freien Teilchens in r und phi von der in x und y!
Zuvor wird die klassische Mechanik in den Formulierungen nach Lagrange (§1) und Hamilton (§2) kurz referiert als Beispiele von Theorien, bei denen Problem e) nicht auftritt: Sie sind forminvariant unter lokalkartesischen Koordinatentransformationen (§3). §4 stellt mit der axiomatischen Quantenmechanik nach von Neumann die mehrheitlich akzeptierte Interpretation im Sinne von Problem a) vor.
Die restlichen 3/4 der Diplomarbeit bemühen sich dann um eine alternative Formulierung, in der sich Probleme b), c), d) und f) zumindest teilweise lösen lassen. Grundlage ist die in §6 vorgestellte schrittweise Verallgemeinerung des Begriffs "hamiltonisch" von den Hamiltongleichungen der klassischen Mechanik im R2f auf endlichdimensionale Mannigfaltigkeiten, dann auf unendlichdimensionale, sowie schließlich seine Abstrahierung auf Bedingungen rein algebraischer Natur nach Fuchssteiner [28,29]. In diese Theorie, die sich bereits bei der Lösung kompliziertester Gleichungen wie der KdV von Korteweg und de Vries bewährt hat, wird die quantenmechanische Dynamik eingebettet, um damit viererlei zu erreichen:
Dieser skizzierten Vorgehensweise folgend, formuliert §8.2 die zur Schrödingergleichung äquivalente quantenmechanische Dynamik im sogenannten Heisenbergbild
Schränkt man (13) ein auf A=Q und A=P, so läßt sie sich, einer Idee von Fuchssteiner [30] folgend, erneut als Hamiltonsystem formulieren, bei dem die Formäquivalenz zur klassischen Mechanik besonders ins Auge sticht:
Um auch das dritte Ziel zu erreichen, ein Kriterium für die Anordnung der Operatoren beim Quantisieren, untersucht §8.5 eine weitere solche Formulierung, basierend auf sogenannten Densities. Für Einsformen auf diesen Objekten, die das algebraische Korrelat von unter Spurbildung unterscheidbaren quantenmechanischen Observablen darstellen, kann ich in §7.7 mit einigem Stolz den formalen Beweis eines von Prof. Fuchssteiner vermuteten Normalform-Theorems präsentieren. Dieses ist der zentrale Punkt, die bereits erwähnte Identifikationsabbildung von Kotangential- in den Tangentialraum auch hier wohlzudefinieren. Mit deren Eigenschaften wiederum gelingt der Beweis, auf den ich nicht minder stolz bin, daß diese Formulierung der Heisenberg-Dynamik ebenfalls hamiltonisch ist. Ein überraschendes Gegenbeispiel zeigt, daß, über die bloßen Gradienten hinaus, alle geschlossenen Einsformen (was ohne Poincare-Lemma in der Tat 'mehr' ist) nötig sind, um die Punkte des Tangentialraums zu trennen, und rundet §8 ab.
§9 untersucht das sich aus dieser Formulierung ergebende Kriterium für die Operator-Reihenfolge. Tatsächlich differieren für manche Quantisierungen (z.B. §9.3.4) diese und die von Neumann-Dynamik. In diesen Fällen wurden also die Operatoren Q und P 'inkorrekt' angeordnet. Umgekehrt zeigt §9.4.2, daß eine in diesem Sinne zulässige Reihenfolge stets existiert. Die Hoffnung auf Eindeutigkeit enttäuscht jedoch das Gegenbeispiel §9.4.1.
Die bisherige Beschränkung der Dynamik von §8.5 auf einen kartesischen Freiheitsgrad (Q1, .., Qf, P1, .., Pf für f=1) hebt §10.1 auf und findet für f=3 sogar eine praxisrelevante, große Klasse zulässiger Quantisierungen; siehe §10.1.6. Der Rest von §10 beschäftigt sich damit, Heisenbergs Modell des anisotropen ferromagnetischen Festkörpers ebenfalls hamiltonisch umzuformulieren. Eine Übertragung der beiden Methoden §8.3 und §8.5 von kartesischen auf Spin-Freiheitsgrade scheitert jedoch, und so etabliert §10.6 für diesen Fall eine neue Identifikation von Kotangential- und Tangentialraum. Auch hierfür muß wieder ein Normalformproblem von Einsformen gelöst werden. Dies geschieht erfolgreich in §10.6.3, und damit geling zum vierten Mal die hamiltonische Umformulierung einer quantenmechanischen Dynamik.
Erwähnt sei hier noch das Programm §13, das ich zum Beweis von Aussagen über endlich viele nichtkommutative Polynome geschrieben habe, wie zum Beispiel §9.4.1, §9.4.2 und §9.5.2. Überhaupt war ich ausgesprochen froh, so viele Bereiche aus meinem Studium in dieser Diplomarbeit anwenden zu können: Beispielsweise Funktionalanalysis, Algebra, Differentialgleichungen, Theoretische Mechanik, Quantentheorie bis hin zu Computeralgebra. Das einzige, was nicht vorkommt, sind Zahlentheorie und Thermodynamik...