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Lehrer sollen Denken lehren,
nicht Gedachtes
Autor unbekannt
Prof. Dr. Burkhard Kümmerer
Lehre


Veranstaltungen SS 2009


Zu: Vorlesung Spektraltheorie

Zu: Vorlesung Mathematik im Kontext: Mathematische Ansichten

Zu: Seminar Funktionalanalysis: Positive Definitheit

Zu: Seminar Didaktik der Mathematik: Allgemeinbildung Mathematik






Vorlesung Spektraltheorie

Inhalt: Funktionalanalysis übeträgt Ideen der linearen Algebra auf Vektorräume von Funktionen. Dieser Leitgedanke findet seine natürliche Fortsetzung in der Spektraltheorie: Sie überträgt die Idee der Eigenwerte und Eigenvektoren auf lineare Abbildungen auf Funktionenräumen. Im Zentrum der Vorlesung steht der operatoralgebraische Zugang zur Spektraltheorie von Operatoren auf Hilberträumen mit einigen Ausblicken in die Theorie der Operatoralgebren.

Zielgruppe: Die Vorlesung richtet sich an Studierende der Mathematik und Physik ab 6. Semester mit Vorkenntnissen in Funktionalanalysis und Interesse an Funktionalanalysis, Operatoralgebren, mathematischer Physik, Quantenmechanik, ebenso wie an Studierende mit Interessen in der Darstellungstheorie, Liegruppen oder angewandter Analysis. Insbesondere ist sie Teil des Vertiefungszyklus "Darstellungstheorie und Operatoralgebren."

Unabhängig von den vielfältigen Anwendungen hat aber auch die Verbindung von analytischen Fragestellungen mit algebraischen Methoden ihren eigenen mathematischen Reiz.

Fortsetzung: Die Vorlesung wird im darauffolgenden Semester fortgesetzt mit Veranstaltungen über Operatoralgebren, an welche sich bei Interesse unmittelbar wissenschaftliche Arbeiten anschließen können.

Format: Die Veranstaltung ist im Format 2+1 geplant. Die Vorlesung findet dienstags, 11.40 - 13.20, im Raum S101/2 statt.

Literatur: Conway, A Course in Functional Analysis. Weitere Literatur wird in der Vorlesung angegeben.





Vorlesung Mathematik im Kontext: Mathematische Ansichten

Zusammenfassung:
Von Geschichte und Geschichten der Mathematik handeln 14 Vorlesungen. Die erste Geschichte (Vorlesungen 1 - 3) erzählt die Mathematik selbst: Ihre eigene Geschichte - natürlich nicht annähernd vollständig: In drei Vorlesungen beschränken wir uns darauf zu beobachten, wie Ansichten über die Mathematik die Ansichten der Mathematik verändern. Die Entwicklung der Mathematik der Knoten rundet einige Einsichten ab (4. Vorlesung).

Aus der Geschichte der Mathematik können wir auch einiges über Inhalt und Aufbau eines Mathematikstudiums lernen, darüber wollen wir in Vorlesungen 5 und 6 nachdenken.

Drei Geschichten nehmen ihren Ausgang bei Pythagoras: Die Geschichte über ihn selbst in Vorlesung 7, in Vorlesung 8 die Geschichte der mathematischen Weltmodelle (2009 ist Keplerjahr) und schließlich die Geschichte der Zahlen in Vorlesung 9.

Vier weitere Geschichten beginnen bei Zenon von Elea und sind noch längst nicht zu einem Ende gekommen. Seine Paradoxa (Vorlesung 10) weisen uns den Weg zu einigen der aufregendsten Geschichten der Mathematik (Vorlesungen 11, 12, und 13), die Hauptrolle spielt die Unendlichkeit in verschiedenen Kostümen.

Ob alle diese Geschichten eine Moral haben, darüber denken wir in der 14. und letzten Vorlesung nach.



Die Vorlesungen im einzelnen:

1. Die Geburt der Mathematik.
Geboren im Orient, aufgewachsen in Griechenland, gereift in Sizilien, gealtert, ermordet und vergessen in Alexandria -- das ist die Geschichte der Mathematik im Altertum. Ein klein wenig ausführlicher wollen wir ihren Lebensweg in der ersten Vorlesung verfolgen.

2. Wiedergeburt und Aufstieg der Mathematik.
Der Phönix erhob sich schneller aus der Asche als die Mathematik aus der mathematischen Finsternis des Mittelalters: Sie brauchte viele hundert Jahre. Mühsam ordnete sie ihr arg zerrupftes Federkleid, bis allmählich neue Federn nachwuchsen und ihr neue Perspektiven eröffneten. Sie konnte wieder fliegen und neue Länder erkunden. Der Aufwind der analytischen Geometrie hob sie empor bis zum Infinitesimalkalkül. Nun ging alles fast wie von selbst und ihr Schwung trug sie bis über die Aufklärung hinaus.

3. Welt, ich muss dich lassen.
Welten gibt es, die gibt es gar nicht: Komplexe Zahlen, nichteuklidische Geometrien, zerstückelte Funktionen. Was tun? Der realen Welt entsagen und nochmal von vorne anfangen -- wenigstens, was die Grundlagen angeht! Befreit von der realen Welt ist die Freiheit grenzenlos für Funktionentheorie, Algebra und n-dimensionale Räume. Die Axiomatik kappt die letzen Fesseln an die reale Welt und betätigt sich als Geburtshelferin für moderne Algebra, Topologie, Funktionalanalysis, und viele andere. Neue Strukturen braucht die Mathematik, Bourbaki gibt sie ihr und nun kann sich die Mathematik wieder ihren großen Problemen zuwenden, jenseits von alten Gebietsgrenzen.

4. Why knot?
Mathematiker lösen Probleme. Aber wo kommen die Probleme eigentlich her? Die Mathematik der Knoten verdankt ihre Entwicklung den unterschiedlichsten Anlässen, unter anderen A.v. Humboldts Weltreisen, dem unverstandenen Periodensystem der Elemente oder den Operatoralgebren. Vor allem in den vergangenen 25 Jahren hat sie ihrerseits viele Gebiete der Mathematik und Naturwissenschaften befruchtet: Geben und Nehmen in der Mathematik!

5. Wieviel Mathematiken gibt es eigentlich?
Rechnen im Supermarkt, Kurvendiskussionen in der Schule, Algebra im Mathe-Studium. Wieviele Mathematiken gibt es eigentlich? Und warum ist eine Differentialgleichung für einen Ingenieur so etwas ganz anderes als für die Dozentin der Analysis III? Das wollen wir uns mal genauer anschauen. Wir sehen, dass auch die Objekte der Mathematik nackt auf die Welt kommen, nebenbei lernen wir manche Fehler aus unseren Anfängerübungen besser zu verstehen und wir sehen, dass gerade die abstrakte Mathematik weit offen für neue Anwendungen ist.

6. Die Erschaffung der Mathematik im Mathe-Studium.
Auch das Mathematik-Studium muss irgendwo anfangen. Aber wo? An der schmalsten Stelle der Mathematik! Die wollen wir näher betrachten und zuschauen, wie sich die Mathematik am eigenen Schopf aus dem Sumpf der Vagheiten zieht und sich zu dem großen Baum entfaltet, den wir aus dem Mathematik-Studium kennen.

7. Esoterische Mathematik.
Nach den großen Religionsstiftern ist Pythagoras einer der folgenreichsten Denker der Menschheit. Er hat uns nicht nur die Worte "Mathematik", "Philosophie" und "Esoterik" hinterlassen, er hat auch die Weichen gestellt für die mathematische Erfassung der Welt und für die Rolle der Mathematik in der Bildung bis heute.

8. Die Vermessung der Welt -- aber der ganzen!
Pythagoras hat den Stein ins Wasser geworfen, die Wellen breiten sich bis heute aus: Die Bewegung der Gestirne gehorcht den Gesetzen der Mathematik. Im Kepler-Jahr verfolgen wir einige Wellen, die dieser Gedanke geschlagen hat.

9. Bitte Zahlen!
Alles ist Zahl. Mit diesem Wahlspruch zogen Pythagoras und seine Schüler aus, die Welt zu erklären. Aber was ist das eigentlich, eine Zahl? Mit der Beantwortung dieser Frage mühen sich die Mathematiker nun schon mehr als 2500 Jahre ab. Wir schauen einigen von ihnen dabei zu.

10. Zenon von Elea: Das größte Mathe-Quiz aller Zeiten.
Zenon von Elea jagte Achill der Schildkröte hinterher, brachte fliegende Pfeile zum Stehen und raubte dem Raum seine Punkte. Seine Fragen zur Unendlichkeit treiben den Mathematikern seit zweieinhalb tausend Jahren den Schweiß auf die Stirn und manche in den Wahnsinn.

11. Jenseits von Nano: Unendlich kleine Größen.
Unendlich klein und doch nicht Null. Wie soll das gehen? Newton und Leibniz gründeten ihre ganze Infinitesimalrechnung auf diese geisterhafte Wesen zwischen Sein und Nichtsein. Mit viel Mühe wurden sie im 19. Jahrhundert von epsilon und delta vertrieben -- bis sie ab 1960 plötzlich wieder auftauchten, unter anderem in Darmstadt.

12. Jenseits von Giga: Das Unendliche zwischen Sein und Nichtsein.
Das Unendliche ist nicht von dieser Welt, davon war Aristoteles überzeugt. Später war die Unendlichkeit Gott vorbehalten, wer daran zweifelte, zahlte mit dem Leben. Seither wechselt es zwischen Sein und Nichtsein, bis sich Cantor gezwungen sah, seine Existenz anzuerkennen und die Unendlichkeit fest in der Mathematik zu verankern.

13. Jenseits von Unendlich: Hört das denn nie auf?
Die Musik ist an allem schuld, genauer, die schwingende Saite. Ihr Klang brachte Cantor dazu, hinter das Unendliche zu schauen, wo er neue Unendlichkeiten erblickte. Durch die Türe, die er geöffnet hatte, fiel auch neues Licht auf die alte Frage von Zenon: Wie lang ist ein Punkt?

14. Was ist Wahrheit in der Mathematik?
Wo sind sie eigentlich, die Mathematik und ihre Wahrheiten? In unseren Köpfen, im Reich der Ideen, oder erschaffen wir sie immer wieder neu? Von unseren Ausflügen bis an die Grenzen der Mathematik haben wir genügend Anschauungsmaterial mitgebracht, um einigen Meinungen berühmter Philosophen zu dieser Frage folgen zu können.



Zielgruppe und Voraussetzungen:
Die Veranstaltung richtet sich an alle Studierende der Mathematik ab dem 4. Semester, insbesondere auch an Studierende des Lehramtes, sie kann aber in Teilen auch schon früher verfolgt werden. Hilfreich sind mathematische Kenntnisse und Erfahrungen im Umfang der mathematischen Grundvorlesungen Analysis 1/2 und Lineare Algebra.

Verwendbarkeit
Für Studierende des Bachelor-Studienganges Mathematik ist die Vorlesung ein Angebot im Rahmen des Wahlpflichtbereichs "`Mathematik im Kontext"' (3 LP); Studierende des Lehramtes können die Vorlesung in einen Kombinationsmodul einbringen (die Modalitäten müssen noch geklärt werden, voraussichtlich können die zusätzlichen 1.5 LP durch eine Prüfung erworben werden)

Ort und Zeit:
Di. 14.25 - 16.05 im Raum S103/221.

14. April 2009 1. Die Geburt der Mathematik.
21. April 2009 2. Wiedergeburt und Aufstieg der Mathematik.
28. April 2009 3. Welt, ich muss dich lassen.
5. Mai 2009 4. Why knot?
12. Mai 2009 5. Wieviel Mathematiken gibt es eigentlich?
19. Mai 2009 6. Die Erschaffung der Mathematik im Mathe-Studium.
26. Mai 2009 7. Esotherische Mathematik.
2. Juni 2009 8. Die Vermessung der Welt – aber der ganzen!
9. Juni 2009 9. Bitte Zahlen!
16. Juni 2009 10. Zenon von Elea: Das größte Mathe-Quiz aller Zeiten.
23. Juni 2009 11. Jenseits von Nano: Unendlich kleine Größen.
30. Juni 2009 12. Jenseits von Giga: Das Unendliche zwischen Sein und Nichtsein.
7. Juli 2009 13. Jenseits von Unendlich: Hört das denn nie auf?
14. Juli 2009 14. Was ist Wahrheit in der Mathematik?





Seminar Funktionalanalysis: Positive Definitheit

Inhalt: Das Thema "Positive Definitheit" schlägt eine Brücke zwischen Funktionalanalysis und Darstellungstheorien in verschiedenen Bereichen der Mathematik, z.B. Darstellungen von Gruppen, Darstellungen von Operatoralgebren, Darstellungen stochastischer Prozesse. Die Idee des Seminars ist es, scheinbar recht verschiedene Gedanken in der Mathematik unter einem einheitlichen Gesichtspunkt zu betrachten und verstehen zu lernen. Fast immer werden positiv definite Kerne oder Funktionen dazu benutzt, einen geeigneten Hilbertraum für die gesuchten Darstellungen zu konstruieren.

Zielgruppe: Voraussetzung für die Teilnahme an diesem Seminar sind gute Kenntnisse in Funktionalanalysis. Welche Schwerpunkte wir im einzelnen setzen werden, hängt auch von den weiteren Vorkenntnissen und Interessen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer ab.

Fortsetzung: In Kombination mit der Vorlesung "`Spektraltheorie"' im Sommersemester 2009 (s.o.) eignet sich das Seminar auch als Grundlage für wissenschaftliche Arbeiten.

Anmeldung: im Sekretariat, Raum 103, bei Frau Müller





Seminar Didaktik der Mathematik: Allgemeinbildung Mathematik

Inhalt: Lehrerinnen und Lehrer der Mathematik prägen in besonderer Weise das Bild der Mathematik in der Öffentlichkeit. Im Zentrum dieses Seminars stehen mathematikbezogene Themen, die für eine breite Öffentlichkeit von Interesse sind, ihre Bedeutung für das Bild der Mathematik sowie ihre didaktische Aufbereitung für die allgemeine, insbesondere auch die schulische Öffentlichkeit. In einer vorgezogenen einführenden Veranstaltung werden wir uns mit dem Halten von Vorträgen befassen; das eigentliche Seminar soll in Form einer Block-Veranstaltung an einem Wochenende durchgeführt werden.

Voraussetzung für die Teilnahme an diesem Seminar sind mathematische Kenntnisse und Erfahrungen im Umfang der Grundvorlesungen Analysis I und II sowie Lineare Algebra I und II.

Verwendbarkeit Das Seminar gilt als fachdidaktisches Seminar und kann insbesondere mit der ebenfalls in diesem Sommersemester angebotenen Veranstaltung "Mathematik im Kontext" zu einem Kombinationsmodul kombiniert werden.

Die Zahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer ist auf 16 begrenzt. Das Seminar ist bereits voll.